Kaum ein netzpolitisches Vorhaben wird derzeit so kontrovers diskutiert wie ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Gemeinsam mit unserem Gast Dr. Stephan Dreyer, Senior Researcher für Medienrecht und Media Governance am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI), ordnen wir ein, wo der Gesetzgebungsprozess steht, welche Altersgrenzen im Raum stehen und welche Grundrechte, insbesondere die der Heranwachsenden selbst, durch ein solches Verbot betroffen wären.
Dabei zeigt sich schnell, dass die Debatte weit über den Jugendschutz hinausgeht. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Deutschland angesichts des EU-Plattformrechts (Digital Services Act) und des Herkunftslandprinzips überhaupt ein eigenständiges Verbot erlassen darf.
Spannend ist auch die Frage der praktischen Umsetzbarkeit. Hier geht es um Altersverifikationssysteme, dem Einsatz des EU-Identity-Wallet und die provokanten These, dass ein Verbot den Plattformen vielleicht sogar gelegen kommen könnte.

Wir bedanken uns herzlichst bei unserem Gast für die Anschaulichen Erläuterungen, wünschen Euch viel Spaß beim Hören und freuen uns auf Eure Kommentare!
Kapitelmarken
- 00:00:00 – Vorstellung des Themas und unseres Gastes.
- 00:03:50 – An welchem Punkt im Gesetzgebungsprozess befinden wir uns und welche Altersgrenzen werden vorgeschlagen?
- 00:14:00 – Mit welcher Begründung kann das Verbot gerechtfertigt werden und wessen Grundrechte werden durch ein Social-Media-Verbot eingeschränkt?
- 00:19:00 – Rechtfertigen die Inhalts-, Nutzungs- und Interaktionsrisiken die Einschränkungen?
- 00:25:00 – Anspruch der Heranwachsenden auf digitale Teilhabe und die Schwierigkeit einer verhältnismäßigen Einschränkung.
- 00:34:00 – DSA (Gesetz über digitale Dienste) und die Frage, ob Deutschland überhaupt ein Social-Media-Verbot erlassen könnte.
- 00:38:00 – Was genau ist unter den sozialen Medien zu verstehen, die verboten werden sollen?
- 00:41:00 – Symbolgesetzgebung und deren Auswirkung auf das EU-Recht.
- 00:49:00 – Welche Bestrebungen gibt es auf der EU-Ebene?
- 00:50:00 – Wie soll das Social-Media-Verbot praktisch umgesetzt werden und die Vielfalt möglicher Altersverifikationssysteme.
- 00:57:00 – Ist die EU-Identity-Wallet eine technische Lösung für sichere Altersverifikation und Kollateralschäden für erwachsene Nutzer?
- 01:06:00 – Kann das Verbot nicht ohnehin einfach umgangen werden?
- 01:10:00 – Ist das Social-Media-Verbot für die Plattformen sogar von Vorteil, weil sie auf Schutzmaßnahmen für Minderjährige künftig verzichten könnten?
- 01:23:00 – Ist es womöglich nur eine rein politische Debatte, die nach der Wahlphase sich auflösen wird?
- 01:26:00 – Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die suchtmachenden Effekte von algorithmischen Plattformen generell angegangen werden?



Fredda
26. März 2026 at 0:58Mein Lieblingspodcast für die Hausarbeit. 🙂 Wie immer ein Hörgenuss! Ich muss mal sagen wie gut ich es finde, dass Herr Richter nicht locker lässt und immer wieder nachhakt. Als „Juristischer-Laie“ hilft mir seine Perspektive ungemein. Bleibt so super wie ihr seid!
Johannes
26. April 2026 at 9:07Insgesamt sehr spannend. Danke für diese tolle Folge.
Mir hat aber ein Aspekt gefehlt:
Grundlage für die Nutzung von klassischen Sozialen Medien kann nur eine Einwilligung sein. Hier gibt die DSGVO explizit die Möglichkeit die Einwilligung auf 16 Jahre anzuheben.
Hinzu kommt auch schon jetzt die Frage, ob die Pflichten an eine Einwilligung erfüllt sein (Informiertheit).
Für die kostenpflichtigen Optionen fehlt es, da der Taschengeldparagraph nicht Anwendung findet an der Geschäftsfähigkeit.
Das Ergebnis, dass die Sozialen Netzwerke mangels wirksamer Einwilligungen bzw. wirksamer Verträge einen Großteil der Daten Minderjähriger Lösungen müssten, wird solange die Vollzugszuständigkeit in Irland liegt nie passieren.
Und dem DSA hat man sich ja scheinbar lieber nicht amerikanische Anbieter für die Vollzugsantäuschung bei der EU-Kommission ausgesucht.